Lanzarote: Ein Reisebericht von der Kanareninsel

Alle Jahre wieder: Die Wintermonate in Deutschland -speziell in Berlin- sind wahrlich nichts, woran sich weder Körper noch Herz erwärmen können – als Rollstuhlfahrer besonders. Wenn die Festtage vorüber sind und sich das Grau und die Kälte so richtig ausgebreitet haben, ist dieses Gefühl nach Licht und Wärme besonders stark … aber der Frühling ist noch weiiit weg!

‚Da muss doch was zu machen sein‘, dachte ich mir im September letzten Jahres und erinnerte mich daran, dass sich schon mal 2013 auf den Kanaren war: Lanzarote! Genau dort sollte es im Winter 2017 hingehen. Das Hotel hatte ich auch noch im Sinn: „Nautilus“! Eine Apartmentanlage, welche schon über mehrere Jahre existiert und sich besonders auf die Belange von Rollstuhlfahrern eingestellt hat. Das ganze Gelände ist barrierefrei, besonders die sanitären Einrichtungen sowie die Bewegungsflächen und Türbreiten sind nicht zu beanstanden. Hilfsmittel, wie einen Dusch-Toiletten-Stuhl oder Lifter, können bei den freundlichen Damen (eine ist sogar Deutsche) an der Rezeption gegen eine Tagespauschale ausgeliehen werden.

Also, Plan erstellen: Wer kann als Assistenz mitkommen? Wann und wie lange soll die Reise stattfinden? Worauf muss ich bei der Buchung achten? Ist das Ganze überhaupt ohne weiteres mit einem Elektrorollstuhl durchführbar?

Letzte Frage habe ich mir vorab mit -zugegebenermaßen- etwas leichtfertigem „Es muss!“ selbst beantwortet. Meine männliche Begleitung, ein Freund und ein guter Bekannter, waren schnell überzeugt. Letzterem hatte ich, weil er den Pflegepart übernehmen sollte, die Bezahlung von Unterkunft und Flug in Aussicht gestellt.

Und sodann ging es an die Buchungen. Da ich das Hotel kannte, habe ich mich sogleich auf den gängigen Buchungsplattformen umgetan und bin über booking.com auch sogleich fündig geworden. ‚Mensch, knapp 750 Euro für zehn Tage, da kann man nicht meckern! 25 Euro pro Person am Tag; dafür gibt es zwei Schlafzimmer, ein Bad mit bodengleicher Dusche, ein zweites WC, ein Wohnbereich mit Essplatz sowie eine kleine Küche. Also, gleich buchen!‘ Zum Glück war eine kostenlose Umbuchung problemlos möglich, denn Nonstop-Flüge gab es für den avisierten Zeitraum leider nicht. Dies allerdings war mir schon sehr wichtig, denn das Prozedere des Transfers in das Flugzeug und wieder heraus, wollte ich mir möglichst jeweils nur einmal antun. Und außerdem, wer weiß, ob mein Rollstuhl bei einem Zwischenstopp in Madrid nicht doch Schaden nimmt oder abhanden kommt?!

Also wurden kurzerhand sechs Flüge über eine der bekannten Suchmaschinen gebucht, drei Mal hin mit Ryanair und drei Mal zurück via Air Berlin. Auch hier hielten sich die Flugkosten mit knapp 320 Euro pro Person durchaus im Rahmen. Man sollte allerdings bei der Buchung beachten, dass man nicht an den falschen Stellen das „Häckchen“ setzt und so Leistungen einkauft, die man gar nicht benötigt. Man sollte sich auch genau anschauen, ob ein Check in vorab per Internet oder App nicht günstiger ist, was mittlerweile so gut wie immer der Fall ist. Außerdem sollte man bei den Fluggesellschaften rechtzeitig mit angeben, welche Hilfe man benötigt und welche Maße der Rollstuhl hat.

Als die Reisevorbereitungen abgeschlossen waren und sämtliche Buchungsbestätigungen eingetroffen waren, hatte sich auch schon das erste bisschen Vorfreude eingestellt… Sonne, Wärme, Blauer Himmel, Wasser, soweit das Auge reicht…!!

Als es dann endlich am 1. Februar soweit war, mischte sich zu meiner Vorfreude die bange Hoffnung, dass beim Transport mit dem Rollstuhl alles glatt gehen werde. Denn eines konnte ich im Urlaub wahrlich nicht gebrauchen- Ärger mit einem defekten Rollstuhl. Jedoch ging alles gut, und mein Gefährt kam unbeschadet nach 4,5 h mit mir und meinen Begleitern in Arrecife an. Im Nachhinein war mir auch klar, weshalb der Flug so günstig gewesen ist, denn sämtlicher Service, der noch vor ein paar Jahren inklusive gewesen war, wurde offenbar „eingedampft“. Kein Erfrischungsgetränk, kein Häppchen, auch nicht der Ansatz von Entertainment (noch nicht einmal diese kleine Buchse für Kopfhörer, worüber man wenigstens Musik hören konnte) war mehr vorhanden. Selbst die Rückenlehne ließe sich nicht nach hinten verstellen, so dass der Flug an sich nicht doch einigermaßen strapaziös gewesen ist. Aber letztlich ist man ja froh, wenn man überhaupt wieder heil herunter kommt. Und die Unbequemlichkeiten wurden jedoch alsbald von zunehmend guter Laune, dass alles so reibungslos verlaufen ist, dem prima Klima und entspanntem Urlaubsfeeling abgelöst. Nachdem uns ein Rollstuhltaxi, von denen es im Übrigen eine Menge auf der Insel gibt, zu unserem Hotel gebracht hat, hatten wir 9 tolle Tage, mit Temperaturen um die 20 Grad, viel Sonne, viel Ruhe, ein paar Ausflügen… und gaaanz viel Erholung!

Ich kann nur jedem raten, der sich auch schon immer mal eine Auszeit von dem Winter in Deutschland nehmen wollte: Macht des! Es ist gar nicht so teuer und kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint.

INFOKASTEN: Lanzarote

Lage: Die Bungalowanlage Nautilus in Puerto del Carmen ist vorbildlich rollstuhlgerecht, liegt im Süden der Insel und dort etwa 100 m vom Strand entfernt. Der Weg zur Strandpromenade und weiter zum rollstuhlgeeigneten Strandabschnitt (insgesamt ca. 1.600 m) ist mit dem Rollstuhl sehr gut befahrbar. Auf Anfrage stehen dort Strandrollstühle zum Ausleihen bereit.

Die Anlage verfügt über rollstuhlgerechte Zwei- und Drei-Zimmer-Appartements für zwei bis fünf Personen mit einem bzw. zwei Schlafzimmern. Die Appartements sind mit vollausgestatteten Küchen oder Küchenzeilen zur Selbstverpflegung, Wohnzimmer mit Sitzgruppe, TV, einer rollstuhlgerechten Dusche und einem WC mit Haltegriffen ausgestattet. Eine Besonderheit ist die weitläufige Poolanlage mit Pool-Lift. Der Weg zur Strandpromenade (ca. 800 m) und weiter zum rollstuhlgeeigneten Strandabschnitt (insgesamt ca. 1.600 m) ist mit dem Rollstuhl sehr gut befahrbar. Auf Anfrage stehen dort Strandrollstühle zum Ausleihen bereit.

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