Das Vivantes Klinikum in Neukölln versorgt Menschen mit Behinderung

Genau wie jeder andere, müssen sich auch Menschen mit Behinderungen von Zeit zu Zeit einer zahnärztlichen oder kieferchirurgischen Behandlung unterziehen. Für all die, die bei einem „normalen“ Zahnarzt aufgrund Ihrer Behinderung nicht mehr kooperieren können, hat das Vivantes Klinikum in Neukölln extra ein eigenes Zentrum eingerichtet. Meine Kollegin Dagmar Reschke-Radel und ich haben uns dieses einmal näher angeschaut und uns zu einem Gespräch mit dem Leiter des Zentrums und der Referentin der Öffentlichkeitsarbeit getroffen.

Das Zentrum für die zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlung von Menschen mit Behinderung im Vivantes Krankenhaus Neukölln ist im Jahr 2013 eröffnet worden. Hierdurch ist eine spezielle Anlaufstation für diesen Patientenkreis geschaffen worden, in der auch eine stationäre Aufnahme möglich ist. „Unser Hauptaugenmerk für eine Aufnahme liegt auf Patienten, die es nicht mehr schaffen, still zu sitzen und die Zeit beim Zahnarzt durchzuhalten, wo eine lokale Betäubung nicht mehr ausreicht und eine Vollnarkose, entweder ambulant oder mit stationärer Aufnahme, notwendig ist. Sie werden dann bei uns unter Kassenbedingungen von uns behandelt“, sagt Gila Korasz, die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im zahnmedizinischen Zentrum. 

Behinderungen aller Art

Dabei hat das Team rund um den Leiter des Behandlungszentrums, Matthias Viehoff, mit den unterschiedlichsten Behinderungsarten zu tun:  Menschen mit Autismus kommen ebenso wie Menschen mit Suchterkrankungen oder körperlich und kognitiven Einschränkungen. Um eine weitestgehend reibungslose Behandlung sicherzustellen, steht das Personal im engen Austausch mit den Angehörigen bzw. mit den Bezugsbetreuern der jeweiligen Patienten. „So können wir im Vorfeld eruieren, was im Einzelfall die beste Vorbereitung auf die Behandlung ist. Manche MS-Patienten brauchen beispielsweise eine Liegeschale. „Wir bitten die Bezugsbetreuer oder die Einrichtung dann, uns diese zur Verfügung zu stellen“, sagt Korasz. 

Das Behandlungsspektrum 

Die Behandlungen, die durchgeführt werden, reichen von zerstörten Zähnen, die chirurgisch entfernt werden müssen über Füllungstherapie bis hin zu prothetischen Versorgungen. Abgerundet wird das Angebot durch die aufsuchende Betreuung. „Diese können wir aus Kapazitätsgründen nur im eingeschränkten Umfang durchführen, aber auch das decken wir ab“, sagt Viehoff. 

Die Kapazitätsgrenze 

Über zu wenig Arbeit kann sich das Team von Viehoff nicht beschweren. Im Monat werden zwischen 60 und 80 Patienten behandelt. An drei OP-Tagen in der Woche sind es oft 10 Operationen plus Notfälle, z.B. aus einem Pflegeheim, wenn jemand aus dem Bett gestürzt ist und sich die Zähne verletzt hat. „Wir sind gerade dabei einen 4. OP-Tag zu installieren“, sagt Viehoff. Die Nachfrage ist und bleibt groß. „Da wir deutschlandweit einzigartig sind, bekommen wir auch Patienten aus anderen Bundesländern“, ergänzt er. Damit das Zentrum – so wie es heute existiert – überhaupt eröffnet werden konnte, beteiligte sich die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin und das Land Berlin an der Finanzierung. Insgesamt stellte der Senat 30.000 Euro zur Verfügung. Zwar seien vor der Gründung viele Bedenken geäußert worden und das Projekt habe eine längere Planungsphase gehabt, doch es sei etwas Gutes dabei herausgekommen“, sagt Viehoff. Die Versorgungslücke in Berlin sei aber lange bei 370.000 schwerbehinderten Menschen in der Hauptstadt noch nicht geschlossen. „Hier wünsche ich mir etwas mehr Unterstützung seitens der Politik solche Angebote zu erweitern, um die bestehende Versorgungslücke weiter zu schließen“, sagt er.

Informationen:

Zentrum für die zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlung von Menschen mit Behinderung im Vivantes Klinikum Neukölln Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Rudower Straße 48, 12351 Berlin, Tel. 130-142045, Email: matthias.viehoff@vivantes.de, Sprechstunde: Mo – Fr, jeweils vormittags

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