Ausbildung – Klatsche für die Verwaltungen

In der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage des FDP Politikers Thomas Seerig an das Abgeordnetenhaus zum Thema „Inklusive Gesellschaft – Hier das Land als Ausbilder“ sind die Ergebnisse mehr als ernüchternd. Höchste Zeit die Praktiken der Berliner Senatsverwaltungen und der Behindertenbeauftragten zu überdenken und etwas dagegen zu tun. 

Die Frage danach, ob das Land Berlin bei der Ausbildung von Schwerbehinderten als Vorbild für die Wirtschaft dient, kann – entgegen der Aussage des Abgeordnetenhauses – verneint werden. Betrachtet man zum Beispiel die Hauptverwaltung inklusive der nachgeordneten Behörden so ist zu sehen, dass von 2014 bis 2018 die Gesamtanzahl der Auszubildenden, die eine Ausbildung abgeschlossen haben zwar um rund 62 Prozent gestiegen  (von 957 auf 1550), der prozentuale Anteil der Schwerbehinderten im gleichen Zeitraum aber um 0,2 Prozent gesunken ist. Jetzt könnte jemand sagen, das ist ja nicht so schlimm, aber: Der Anteil der Schwerbehinderten an der Gesamtanzahl der Auszubildenden ist von vornherein sehr gering. Im Jahr 2014 liegt er mit 13 erfolgreich Ausgebildeten bei 1,4 Prozent, im Jahr 2018 mit 18 Ausgebildeten bei 1,2 Prozent. Im Durchschnitt liegt der prozentuale Anteil in der Zeit hier bei 1,26. Warum ist der Anteil der Auszubildenden mit Schwerbehinderung in den letzten Jahren gleichbleibend so gering? Ist die Zahl der Bewerber so niedrig oder scheitern sie im Auswahlverfahren? Gilt der Grundsatz „Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt“ auch für das Auswahlverfahren für Bewerber um einen Ausbildungsplatz? Bemühen sich das Land und seine Behörden proaktiv darum, den Anteil der Auszubildenden mit Schwerbehinderung zu steigern und wenn ja wie? Dies wäre anzustreben, insbesondere da fast alle Auszubildenden (über 90%) in den Behörden und nachgeordneten Einrichtungen des Landes übernommen werden. Bei den Schwerbehinderten ist der Anteil noch höher (2014 wurden beispielsweise alle 13 Absolventinnen übernommen). Das bedeutet, junge Menschen mit Schwerbehinderung haben grundsätzlich eine gute Chance bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern, wenn sie es erst einmal geschafft, dort eine Ausbildung zu beginnen.

 In der Bezirksverwaltung

Im Vergleich zur Hauptverwaltung sieht es bei der Bezirksverwaltung etwas besser aus. Hier liegt der prozentuale Anteil der erfolgreich ausgebildeten schwerbehinderten Menschen bei durchschnittlich 2,94 in den Jahren 2014-2018, aber nur im Jahr 2017 kommt die Bezirksverwaltung mit 5,2 % auf einen signifikant höheren Anteil der Schwerbehindertenquote bei den erfolgreichen Absolventinnen. Wäre es nicht ein gutes Ziel bei allen, schon am Anfang des Berufslebens der Auszubildenden eine Quote von fünf Prozent anzustreben, so wie es generell Unternehmen der Privatwirtschaft und öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern das Ziel sein sollte, mindestens 5% Schwerbehinderte zu beschäftigen. Anderenfalls sind Arbeitgeber zur Zahlung der sogenannten Ausgleichsabgabe verpflichtet.

Rote Karte für einzelne Behörden 

Von einer uneingeschränkten Vorbildfunktion kann weder in der Hauptverwaltung noch in der Bezirksverwaltung die Rede sein. Die Bezirksverwaltung in Lichtenberg beispielsweise hat in dem Zeitraum von 2014 – 2018 nur einen einzigen schwerbehinderten Auszubildenden gehabt und den noch nicht einmal übernommen! Was ist los im Bezirk Lichtenberg? Ein gleiches Bild zeigt sich – und das ist noch schlimmer – beim  Regierenden Bürgermeister. Einzig im Jahre 2014 wurde ein schwerbehinderter Beschäftigter in Ausbildung gebracht. Das darf und kann nicht sein. Hier müssen die Haupt- und Bezirksverwaltungen und vor allem auch die Behindertenbeauftragten in Ihrer Rolle hinterfragt werden. „Wir fordern die Verantwortlichen auf, die Praktiken des Bewerbungsprozesses zu prüfen und die gegebenen Defizite sofort zu
beheben“, so Dominik Peter vom Berliner Behindertenverband. 

Von: