Inklusives Wohnen in Berlin braucht starke Kooperationen

Bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit Unterstützungsbedarf bleibt in Berlin Mangelware. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin setzt sich daher seit Jahren dafür ein, diese Versorgungslücke zu schließen – durch den Dialog zwischen Wohnungswirtschaft, Politik, Verwaltung und sozialen Trägern sowie durch die Förderung innovativer Modellprojekte. Ziel ist es, soziale Träger bei der Suche nach geeignetem Wohnraum wirksam zu unterstützen.

Erfolgreiches Austauschformat

Ein zentrales Austauschformat ist der Salon Soziale Träger, der am 18.11.2025 erneut stattfand. Vertreter*innen der Senatsverwaltung, Wohnungswirtschaft und sozialen Träger kamen in der Geschäftsstelle des Paritätischen Berlin zusammen, um gemeinsam Lösungen für die Wohnraumversorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu diskutieren.

Ein besonderer Fokus lag diesmal auf den Neuen Stadtquartieren, die derzeit in Berlin entstehen. Diskutiert wurde, wie inklusives Wohnen von Anfang an in die Planung und Entwicklung dieser Quartiere integriert werden kann. „Soziale Träger bieten Wohnraum mit Unterstützungsbedarf, der für vulnerable Gruppen essenziell ist. Trägerwohnraum ist ein wichtiger Baustein für die Umsetzung von inklusiven Wohngebieten in den Quartieren“, betont Manuel Lutz von der Agentur INKLUSIV WOHNEN bei der Einführung in die Veranstaltung.

Forderung nach Bedarfserhebung

Daniela Radlbeck, Referentin für Wohnungspolitik beim Paritätischen Berlin, forderte eine systematische berlinweite Bedarfserhebung für Menschen mit Wohn- und Unterstützungsbedarf, die in die Planung der Neuen Stadtquartiere einfließen müsse. Soziale Träger kennen die Bedarfe und sollten daher von Anfang an in die Planung einbezogen und bis zur Wohnungsvergabe beteiligt werden. „Für inklusive Stadtquartiere müssen wir frühzeitig die Bedarfe mitdenken und gemeinsam bis zur Bewirtschaftung an einem Strang ziehen“, betonte sie. Sie appellierte an die Politik, soziale Träger gezielt durch Anreize, langfristige Unterstützung und Rechtssicherheit zu stärken.

Eine Vertreterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen stellte die Pläne des Landes Berlins vor: Frühzeitige Beteiligung, gemeinwohlorientiertes Bauen und die Vergabe an landeseigene Unternehmen sollen Barrierefreiheit, bezahlbaren Wohnraum, eine soziale Durchmischung der Quartiere berücksichtigen sowie die sozialen und kulturellen Bedürfnisse aller zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner sichern. 

Ein Best-Practice-Beispiel aus Hamburg zeigte, wie integrierte Stadtplanung gelingen kann – durch systematische Bedarfserfassung und feste Austauschformate. Soziale Belange fließen von Beginn an in die Entwicklung eines neuen Stadtteiles ein. Schon bei der Planung des neuen Quartiers wurden die Bedarfe verschiedener Gruppen, darunter auch die Betreuten Wohnformen für vulnerable Zielgruppen systematisch erfasst und berücksichtigt. Ein zentrales Instrument bei der Umsetzung ist die Arbeitsgruppe Soziales, in der alle relevanten Akteure regelmäßig zusammenkommen, um Interessen zu bündeln, die sozialplanerischen Bedarfe gezielt zu ermitteln und gemeinsam passgenaue Planungen zu bestimmen.

Podiumsdiskussion relevanter Aktuere

Die Thematik, wie solche Kooperations- und Austauschformate in Berlin aussehen können, war die zentrale Frage der anschließenden Podiumsdiskussion. Soziale Träger und der Paritätische machten deutlich, dass alle relevanten Akteure gemeinsam an einen Tisch müssen, wenn das Ziel, bezahlbaren, bedarfsgerechten und schnell verfügbaren Wohnraum zu schaffen, erreicht werden soll. Die Expertise der sozialen Träger ist dabei unverzichtbar, da sie den tatsächlichen Bedarf kennen und einbringen können.

Denn in der Praxis zeigt sich, dass soziale Bedarfe komplex und wandelbar sind. „Es braucht daher von Anfang an ein Mitdenken der Wohlfahrtsverbände. Ein frühzeitiges Einbeziehen verschiedener Bedarfslagen und Expertisen ist notwendig, um große Projekte umzusetzen, die vor allem auch langfristig nachhaltig sind“, betonte Martin Hoyer, Geschäftsführer des Paritätischen Berlin, auf dem Podium. Das Format des „Runden Tisches Besondere Wohnformen“, bereits 2018 bis 2020 erfolgreich etabliert, wurde mehrfach als Schlüssel für erfolgreiche Kooperation aller Akteure genannt. Trägerwohnraum ist eine Querschnittsaufgabe, die aber zu oft zwischen den verschiedenen Ressorts hängenbleibt. Die Forderung daher an die Senatsverwaltungen: dieses Format wieder dauerhaft einrichten. Nur wenn alle Beteiligten sich regelmäßig austauschen, können gemeinsam Lösungen für die Wohnraumversorgung vulnerabler Gruppen entwickelt werden.

„Gemeinsam lernen, Fehler machen, mutig voranschreiten: Kooperation kann Spaß machen“, verdeutlicht Stefan Lutz von KIEZquartier gGmbH. Der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen haben bereits gezeigt, wie innovative Modelle zur Schaffung von Wohnraum erfolgreich umgesetzt werden können. Beispiele wie das Generalmietermodell an der Gotenburger Straße, Bauprojekte der Genius Wohnbau eG im Konzeptverfahren und Initiativen sozialer Träger in Erbbaupacht zeigen: Neuer, bedarfsgerechter Wohnraum ist möglich – vorausgesetzt, die nötigen Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind gegeben.

Stephan Machulik, Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, unterstrich auf dem Podium, dass Berlin bereits bei den neuen Stadtquartieren auf einem guten Weg sei, alle Menschen an einen Tisch zu bringen. Gleichzeitig machte er deutlich, wie herausfordernd die Abstimmung ist: „Das Dilemma ist immer wieder, dass zu viele Interessen existieren, die in unterschiedliche Richtungen planen wollen.“ Machulik betont, falls es einen nächsten Runden Tisch zu Besonderen Wohnformen gäbe, müsse man z.B. auch die Perspektiven von Umwelt und Naturschutz mit einholen, da sie bei der Erschließung von Flächen und Bauvorhaben eine entscheidende Rolle spielen.

Bezahlbarer Wohnraum

Ein wesentliches Problem bleibt die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, die das vorhandene Angebot deutlich übersteigt. Viele Akteure melden Bedarf an, doch die Ressourcen sind begrenzt. Mario Hilgenfeld, Bereichsleiter vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmer und Ingo Malter, Geschäftsführer des landeseigenen Wohnungsunternehmens STADT und LAND forderten daher weniger Regulierung beim Bauen, um schneller und kostengünstiger neuen Wohnraum schaffen zu können. Schnelles und günstiges Bauen sei nur möglich, wenn die Anforderungen reduziert werden. Martin Hoyer ergänzte, dass soziale Träger beim Bau eigener Wohnprojekte vor allem Finanzierungssicherheit, klare Zuständigkeiten und die Unterstützung der Senatsverwaltungen benötigen, damit innovative Lösungen nachhaltig umgesetzt werden können.

Am Ende der Veranstaltung nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum weiteren Austausch. Klar wurde: Kooperation ist der Schlüssel für inklusives Wohnen in Berlin. Trägerwohnraum ermöglicht nicht nur Schutz und Stabilität, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die sozialen Träger wollen ihren Beitrag dazu leisten und suchen Partner:innen in Verwaltung und Wohnungswirtschaft, um neue Wohnangebote zu schaffen.

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