Bis zu 2.800 Kinder ohne ausreichenden Schulbesuch

Kürzlich zog der Landesverband Lebenshilfe Berlin e.V. eine ernüchternde Bilanz: Obwohl die Berliner Bildungsverwaltung vor rund einem Jahr selbst bestätigt hat, dass bis zu 2.800 Schülerinnen und Schüler nicht, unregelmäßig oder nur verkürzt beschult werden, sind bislang keine konkreten Maßnahmen ergriffen worden. Nur noch mal zum besseren Verständnis: hier ist die Rede vom Land Berlin und nicht von irgendeinem Land mit Bürgerkrieg. 

Zum Hintergrund der ausbleibenden Beschulung: Die Lebenshilfe Berlin hatte 2024 auf Basis von Schätzungen und Berichten aus Beratungsstellen von mindestens 1.000 bis 2.000 betroffenen Kindern in Berlin gesprochen.

Diese Zahlen haben sich nach einer Umfrage der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) vom Mai 2024 nicht nur bestätigt – sie liegen sogar weit darüber: Für mindestens 2.300 bis 2.800 Schülerinnen und Schüler muss nach den Ergebnissen der eigenen Verwaltungserhebung angenommen werden, dass sie verkürzt, unregelmäßig oder kaum bis gar nicht beschult werden. Besonders stark betroffen sind:

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Geistige Entwicklung (GE): Rund 15 % dieser Gruppe sind von unregelmäßiger, verkürzter oder Nichtbeschulung betroffen.

Schülerinnen und Schüler im Autismus-Spektrum sowie Kinder mit einer Kombination aus beiden Förderbedarfen – eine Gruppe, die nach den Daten der Verwaltung als besonders vulnerabel gilt. Als Gründe werden unter anderem zu wenig qualifiziertes Personal für die notwendige intensive Einzelbetreuung sowie mangelnde Rückzugsräume an den Schulen benannt. Auch dies deckt sich mit den in unserem Positionspapier beschriebenen systemischen Defiziten.

Man muss der zuständigen Senatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) zwar zugute halten, dass sie eine Umfrage der zuständigen Verwaltung in Gang gesetzt
hat. Doch die nächsten Schritte fehlen. Bisher fand im Fachbeirat Inklusion die Vorstellung statt, wie die Verwaltung sich der Problemlage mittel- bis langfristig widmen will (Strategische Maßnahmenentwicklung und -planung mittels designbasierter Schulentwicklung). 

Doch bis die Verwaltung endlich ins Handeln kommt, dauert bei diesem schwerwiegenden Problem meiner Meinung nach viel zu lange. Man hört aus dem Umfeld der Senatorin zwar, dass Einladungen zu einem entsprechenden Runden Tisch inzwischen verschickt wurden. 

Dies ändert aber nichts an der langwierigen Umsetzung. Denn schließlich bedeutet dies, dass es für die Schülerinnen und Schüler aktuell immer noch keine Verbesserung gibt.

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